Weinlese 2026: Ein Jahrgang, der uns überrascht und gefordert hat

Aktualisiert: vor 2 Tagen
Ein heißer Sommer, ein Traktor voller Wasser, Sonnenaufgänge im Weingarten und ein erster Schultag mittendrin. Die Weinlese 2026 war für uns in vielerlei Hinsicht besonders. Und vor allem eines: früher als je zuvor.

Es gibt Jahre, da scheint alles seinen gewohnten Gang zu nehmen. Und dann gibt es Jahre wie 2026.
Jahre, in denen man morgens in den Himmel schaut und auf Regen hofft. In denen man sich fragt, wie die Reben die nächsten heißen Tage überstehen sollen. Und in denen plötzlich die Weinlese vor der Tür steht, obwohl man gedanklich noch gar nicht so weit ist.
Wenn wir heute auf die vergangenen Monate zurückblicken, sind da viele Gefühle. Anspannung, Erleichterung, ein bisschen Enttäuschung. Aber vor allem große Dankbarkeit.
Denn dieser Jahrgang hat uns einmal mehr gezeigt, dass wir vieles planen können. Nur eben nicht alles.
Ein Sommer, in dem wir uns über Regen gefreut haben wie kleine Kinder
Der Sommer 2026 war heiß. Und trocken. Sehr trocken. Die Hitze hat nicht nur unsere Reben gestresst, sondern auch uns. Besonders um unsere jungen Weinstöcke haben wir uns Sorgen gemacht. Ihre Wurzeln reichen noch nicht so tief in den Boden wie die älterer Reben. Ohne zusätzliche Hilfe hätten sie diesen Sommer möglicherweise nicht überstanden.

Also wurde Robert zu unserem ganz persönlichen Rebenretter. Immer wieder fuhr er mit dem Traktor und einem großen Wassertank hinaus in die Weingärten, um unsere jungen Reben zu gießen. Tank auffüllen, hinausfahren, gießen, zurückkommen. Und wieder von vorne.
Eine Arbeit, die man später in keiner Weinbeschreibung lesen wird. Die aber in diesem Jahr einen entscheidenden Unterschied gemacht hat.
Und dann kam endlich Regen. Gleich zweimal durften wir uns im Sommer über einen kräftigen Regenguss freuen. Während sich andere vielleicht über das schlechte Wetter ärgerten, hätten wir am liebsten getanzt.
Selten haben sich ein paar Regentropfen so gut angefühlt.
Kleine Trauben, große Erleichterung - die Weinlese 2026
Nach diesem Sommer waren wir gespannt, was uns bei der Weinlese erwarten würde. Und tatsächlich hat uns die Natur überrascht.
Unsere Trauben waren wunderschön gesund. Teilweise zwar deutlich kleiner als gewohnt, aber in einem Zustand, über den wir uns wirklich freuen konnten. Besonders die Chardonnay-Trauben in unserer Riede Einöde waren ein herrlicher Anblick.

Ganz ohne Enttäuschung ging es trotzdem nicht. Rund 30 Prozent weniger Ertrag als im Vorjahr haben wir geerntet. Das ist ein Unterschied, den man als Weingut natürlich spürt. Und dann war da noch unser Merlot. Vor einigen Jahren haben wir neue Merlotreben ausgepflanzt. Wir hatten gehofft, heuer erstmals genug Trauben für einen eigenen Merlot zu ernten. Am Ende waren es rund 200 Kilogramm – nicht einmal genug, um ein Barriquefass zu füllen.
Also wurden die Merlottrauben gemeinsam mit anderen Rotweintrauben verarbeitet. Schade? Ja, durchaus.
Aber auch das gehört zum Weinmachen. Nicht jede Hoffnung erfüllt sich in dem Jahr, in dem man es sich wünscht. Manche Dinge brauchen einfach länger.
Und nach einem Sommer wie diesem überwog am Ende die Erleichterung, dass wir überhaupt so viele gesunde Trauben nach Hause bringen konnten.
Wenn bei der Weinlese 2026 um vier Uhr morgens der Wecker klingelt
Am 31. August begann unsere Weinlese 2026. So früh wie noch nie. Von da an klingelte Stefans Wecker um vier Uhr morgens. Es gab einiges vorzubereiten, bevor Robert um fünf Uhr dazukam und die beiden gegen sechs Uhr mit der Lesemaschine im Weingarten standen.
Wir wollten die kühlen Morgenstunden nutzen. Denn nach diesem heißen Sommer war es uns besonders wichtig, die Trauben möglichst kühl nach Hause zu bringen.
Und ganz nebenbei hatte die frühe Lese noch einen schönen Vorteil: Es blieb etwas mehr Zeit für unsere Familie.
Die Sonnenaufgänge in diesen Tagen waren wunderschön. Wenn die ersten Sonnenstrahlen über die Weingärten fielen und die Trauben langsam im goldenen Morgenlicht sichtbar wurden, hatte selbst dieser anstrengende Rhythmus etwas Besonderes.
Aber natürlich war nicht jeder Morgen romantisch. Früh aufstehen, Entscheidungen treffen, Maschinen vorbereiten, Trauben verarbeiten – die Tage waren lang und intensiv. Und zu Hause ging es mindestens genauso aufregend zu.
Zwischen Weinpresse, Schultasche und Jausenbox
Denn ausgerechnet mitten in der Weinlese hatte unser ältester Sohn seinen ersten Schultag. Ein neuer Lebensabschnitt. Für ihn und irgendwie auch für uns alle.
Während Stefan draußen im Weingarten und später im Keller beschäftigt war, drehte sich bei uns zu Hause plötzlich vieles um Schulsachen, Jausenboxen, neue Eindrücke und all die Aufregung, die so ein Schulbeginn mit sich bringt.
Unsere beiden Buben haben die Weinlese mit mindestens genauso viel Spannung verfolgt wie wir.
Frühmorgens standen sie am Balkon und beobachteten, was sich unten im Weingut tat. Besonders die Weinpresse hatte es unserem Jüngsten angetan. Eine Frage nach der anderen. Zum Glück hatte er einen großen Bruder, der schon einiges wusste und bereitwillig erklärte. Und wenn ihm die Antwort fehlte, wurde kurzerhand etwas dazugedichtet. Oder Mama gefragt.
Ich musste oft schmunzeln. Und manchmal hätte ich mir einfach gewünscht, dass der Tag ein paar Stunden mehr hätte.
Denn auch wenn die Weinlese für Außenstehende vor allem draußen im Weingarten stattfindet, braucht es im Hintergrund viele helfende Hände. Stefan kümmerte sich um die Lese und die Arbeit im Keller. Robert war an seiner Seite und hatte zuvor schon unsere jungen Reben durch den Sommer begleitet. Sissi sorgte dafür, dass unsere Vinothek auch während dieser intensiven Wochen geöffnet bleiben konnte und unsere Kunden weiterhin ihren Wein bekamen. Und ich versuchte, Stefan mit gutem Essen bei Kräften zu halten, den Kindern durch diese aufregende Zeit zu helfen und im Familienalltag alles irgendwie zusammenzuhalten.
Nicht jeder Tag lief nach Plan. Aber jeder hatte seinen Platz und seine Aufgabe. Und genau das bedeutet Familienweingut für mich: Nicht, dass immer alles leicht ist. Sondern dass wir gemeinsam tragen, was gerade ansteht.
Am 17. September war es geschafft
Nach nicht einmal drei Wochen nach dem ersten Lesetag waren wir fertig. Am 17. September wurde die letzte Traube nach Hause gebracht. So früh hatten wir unsere Weinlese noch nie abgeschlossen. Und obwohl wir in diesen Tagen ziemlich müde waren, war da auch dieses wunderbare Gefühl, es geschafft zu haben.

Wie jedes Jahr feierten wir das Ende der Lese mit unserem traditionellen Leserhahn. Wir saßen gemeinsam mit Robert draußen in der Sonne. Es gab Schweinsbraten, Knödel und Kürbis. Und natürlich durfte eine kleine Kostprobe vom neuen Jungwein nicht fehlen.
Endlich einmal sitzen bleiben. Gemeinsam essen. Erzählen. Auf die vergangenen Wochen zurückblicken.
Und für einen Moment nicht überlegen müssen, was als Nächstes zu tun ist. Es war ein schöner Nachmittag. Einer von denen, die man gerne ein bisschen länger festhalten würde.
Ein Jahrgang, der schon jetzt seine Geschichte erzählt
Normalerweise müssen wir uns bis Ende Oktober gedulden, bis der erste Wein des neuen Jahrgangs bereit ist. Nicht so heuer. Weil die Weinlese so früh begonnen hatte und die Gärung wunderbar verlief, konnten wir unseren Jungwein Chardonnay 2026 bereits Anfang Oktober in die Flasche bringen.
Ein erster Vorgeschmack auf ein Jahr, das uns so viel abverlangt hat. Mit seiner milden, animierenden Säure und den Aromen von Banane und Heublumen ist er frisch, zugänglich und macht Lust auf mehr.
Wenn ich ihn koste, denke ich an diese frühen Septembermorgen. An die Hitze des Sommers und die kühle Luft beim Sonnenaufgang. An die Aufregung der vergangenen Wochen und an die Erleichterung, als die letzte Traube im Keller angekommen war.
Vielleicht schmeckt man nicht all das tatsächlich in einem Glas Wein. Aber für uns gehört es zu seiner Geschichte.
Was von diesem Sommer bleibt
Wenn wir an den Jahrgang 2026 zurückdenken, werden uns vermutlich nicht zuerst die Zahlen einfallen.
Nicht die 30 Prozent weniger Ertrag. Nicht der frühe Lesebeginn. Nicht einmal der 17. September, an dem wir so früh wie noch nie fertig waren.
Sondern ...
Robert auf dem Traktor mit seinem Wassertank.
Die Freude über den ersehnten Regen.
Die Sonnenaufgänge im Weingarten.
Zwei neugierige Buben am Balkon.
Ein erster Schultag zwischen all dem Trubel.
Und ein gemeinsames Essen in der Herbstsonne, bei dem wir endlich wieder Zeit hatten, durchzuatmen.
Es war ein anstrengendes Jahr. Eines, in dem vieles anders kam als gedacht. Aber auch eines, das uns daran erinnert hat, wie viel wir gemeinsam schaffen können. Und dafür sind wir dankbar.
Eure, Laura




Kommentare